Bei den Genossenschaften summt´s und brummt´s

Fakten & Infos · 15.08.2019 · Von Mona Ahmed

Grüne Oasen in Großstädten sind wohltuende Rückzugsorte, wo wir den Alltagsstress und die Hektik hinter uns lassen können. Doch innerstädtische Grünflächen heben nicht nur die Stimmung und fördern das Wohlbefinden, sie helfen auch bei der Klimaanpassung – gerade im Hinblick auf den Klimawandel sind die abkühlenden und schattenspendenden Bäume in Städten unbezahlbar! Vor allem jedoch fördern naturbelassene Flächen mit heimischen Wildblumen die Artenvielfalt im Tier- und Pflanzenreich.

Bei den Genossenschaften summt´s und brummt´s

Die Dinos überlebt – die Menschen nicht?

Die Biene – kaum ein Insekt stand in den letzten Jahren so im Fokus der Öffentlichkeit wie dieses kleine Insekt, das schon vor 75–92 Mio. Jahren (die Angaben von Forschern gehen auseinander) vor unsere Zeit gelebt haben muss, ist nun vom Aussterben bedroht. Doch der Reihe nach ..

Dass die Artenvielfalt und somit das komplexe Ökosystem gefährdet ist, ist kein neues Thema, bereits 2007 hat die damalige Bundesregierung darauf mit der Nationalen Strategie für Biologische Vielfalt reagiert. Laut der Deutschen Umwelthilfe (DUH) ist „jede dritte Tier- und Pflanzenart in Deutschland gefährdet, zwei Drittel aller Lebensräume sind bedroht“. Und dank der unermüdlichen Öffentlichkeitsarbeit der Stiftung Mensch und Umwelt (StMU) ist die Biene ein besonders prominentes Beispiel. Sie ist nach Rind und Schwein bei uns das drittwichtigste Nutztier, ohne seine Bestäubungsleistung würden fast 80 % aller Nutz- und Wildpflanzen eingehen. Von 100 Pflanzenarten, denen über 90 Prozent unserer Nahrung zugrundeliegen, werden Beobachtungen zufolge 71 von Bienen bestäubt.

Seit 2017 nun läuft das Modellprojekt „Treffpunkt Vielfalt – naturnahe Gestaltung von Wohnquartieren“, vom Bundesumweltministerium mit einer Million Euro gefördert. Die StMU sowie weitere Projektpartner unterstützen Wohnungsunternehmen dabei, ihre Grün- und Freiflächen nach ökologischen und nachhaltigen Gesichtspunkten zu gestalten. „Die gemeinsame Vision ist, dass die naturnah gestalteten, wohnungsnahen Außenflächen nicht nur bei Bewohnern und Vermietern akzeptiert werden. Sie sollen begeistern“ und Nachahmungscharakter entwickeln, sagt Dominik Jentzsch von der StMU. Das war auch dem Gründer der Stiftung, Cornelis Hemmer, wichtig, und so beweist das Pilotprojekt, dass es auch in Großstädten möglich ist, Biotope und Schutzräume für Insekten anzulegen.

Sich gemeinsam nachhaltig und umweltbewusst zu engagieren, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen, sich gemeinsam am Erfolg erfreuen – was würde den genossenschaftlichen Gedanken besser zum Ausdruck bringen? Denn da es gerade die Wohnungsbaugenossenschaften sind, die in langfristigen Dimensionen denken und handeln, stieß die StMU bei ihrer Suche nach Projektpartnern auf offene Ohren. So auch bei Carsten-Michael Röding von der Charlottenburger Baugenossenschaft eG. Von der Stiftung gefragt, ob die Genossenschaft bereit wäre, ihre Freiflächen insektenfreundlich zu gestalten, gab es nach Prüfung der infrage kommenden Flächen nur eine Antwort: Ja!

Die Schönheit von Totholz

In enger Zusammenarbeit mit der StMU wurden Informationsveranstaltungen für die Mitglieder durchgeführt, damit sich die Mitglieder umfassend informieren konnten. Wichtig war es zu vermitteln, dass insektenfreundliche Flächen nicht unbedingt den Vorstellungen von fleißigen Hobbygärtnern entsprechen: Was für manch einen, der es schön ordentlich mag, ein Graus ist, ist für Biene, Hummel und Co. ein Paradies, zwischen heimischen, wild wachsenden Pflanzen und Trockenmauern, in Kräuterspiralen und Totholzebenen fühlen sich die kleinen Brummer pudelwohl. Die Genossenschaftsmitglieder, die neben den beiden umgestalteten Flächen wohnen, von dem Projekt zu überzeugen, war nicht schwer: „Wir sind von Anfang an auf viel Neugier, Verständnis und Interesse gestoßen. Dass unsere Mitglieder für das Thema ökologische Vielfalt offen sind, zeigten die gut besuchten Informationsveranstaltungen, die wir gemeinsam mit der Stiftung Mensch und Umwelt durchgeführt haben. Dass Natur- und Umweltschutz vor der eigenen Haustür beginnt, haben wir alle schnell verstanden“, sagt Charlotte-Pressesprecher Michael Krebs. Ziel aller Projektbeteiligten ist nämlich nicht nur eine vorübergehende Sensibilisierung für das Thema, sondern die dauerhafte Akzeptanz von Freiflächen als Biotope für Insekten. Hierbei ist die Charlotte auf einem guten Weg.

Auch wer in der Britzer Rungiusstraße spazieren geht, kann es emsig summen und brummen hören. Hier hat der BWV zu Köpenick eG eine von insgesamt zwei Hofflächen naturnah umgestaltetet und so ein Biotop für einheimische Insekten und Singvögel geschaffen. Doch nicht nur die tierischen, auch die menschlichen Besucher nutzen die Fläche zum Verweilen, Entspannen und Genießen. Auf der neuen Sitzbank umringt von Gräsern und bunt blühenden Wiesenblumen, lässt es sich wunderbar abschalten. Und damit die Pflanzen auch bei längeren Trockenperioden gut wachsen und gedeihen können, haben sich schnell einige „Kümmerer“, also aufmerksame BewohnerInnen, für den Gartendienst zur Verfügung gestellt. Vor Hunden und ihren Hinterlassenschaften schützt ein naturnaher Staketenzaun.

Auch der BWV Köpenick betrachtet den bisherigen Projektverlauf positiv. „Es ist ein tolles, positives Projekt, das weit über die bereits vorhandenen Modellflächen hinauswirkt, die Mitglieder nehmen es sehr gut an“, resümiert Susanne Maier-Bluschke. Und inzwischen sind nicht nur diejenigen Mitglieder involviert, die in der direkten Nachbarschaft zur Fläche wohnen – den BWV erreichen immer häufiger Anfragen von Mietern, die auch bei sich ein entsprechendes Projekt durchführen möchten.

Diese Unterstützung, die Bereitschaft der Vorstände und die Begeisterung der Mitglieder sind ein wichtiges Signal auch an andere Akteure der Wohnungswirtshaft, dem Thema Umwelt und Naturschutz im baulichen Prozess einen hohen Stellenwert einzuräumen. Denn nur wenn die Biene einen naturbelassenen, also „wilden“, Lebensraum vorfindet, kann sie – auch in unseren Großstädten – gut leben.

Weitere Informationen

Und da „Treffpunkt Vielfalt“ mit Bundesmitteln gefördert wird, wird das Projekt evaluiert und die Ergebnisse regelmäßig dokumentiert. Das langfristige Ziel, zu zeigen, dass es auch in urbanen Gegenden möglich ist, Umwelt- und Tierschutzmaßnahmen zu verankern und dass es dafür in der Bevölkerung große Bereitschaft gibt, ist – da sind sich alle Projektbeteiligten einig – bereits jetzt erreicht.

Zwar läuft das Modellprojekt 2021 aus, doch Insektenfreundlichkeit lässt sich auch auf kleinstem Raum und ohne viel Aufwand herstellen. Wenn auch Sie auf den Geschmack gekommen sind und sich vorstellen können, vorhandene Freiflächen naturnah und insektenfreundlich umzugestalten, dann können Sie sich gerne bei den „Pionieren“ erkundigen.

Stiftung Mensch und Umwelt (https://www.stiftung-mensch-umwelt.de/stiftung-im-ueberblick.html),
Ansprechpartner: Cornelis Hemmer

Wohnungsbaugenossenschaften Berlin (www.wbgd.de/berlin)
Ansprechpartnerin: Monika Neugebauer

 -      Charlottenburger Baugenossenschaft eG (https://charlotte1907.de/),
Ansprechpartner: Michael Krebs

 -       BWV zu Köpenick eG (https://www.bwv-zk.de/bwv.html),
Ansprechpartnerin: Susanne Maier-Bluschke

 

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