Arbeitswelt und Digitalisierung

Arbeiten in Zeiten von Corona. Alternative Homeoffice?

06.04.2020

Die aktuelle Situation, in der viele Menschen im Homeoffice arbeiten möchten bzw. müssen, gibt Anlass dazu, sich intensiver mit den Themen "Homeoffice" und "mobiles Arbeiten" zu befassen. Denn spätestens jetzt zeigt sich, dass starre Strukturen, die auf physischer Präsenz im Büro fußen, nachteilig sind, sobald das Büro nicht nutzbar ist. Arbeitsabläufe zu digitalisieren, Mitarbeiter zu vernetzen und Flexibilität in Arbeitsroutinen zu bringen, bewährt sich in Zeiten wie diesen.

Homeoffice

Aktuell ist der Schutz vor Ansteckung sicher der wichtigste Grund, vom Büro ins Homeoffice zu wechseln, und viele Unternehmen sind sehr bemüht, den Beschäftigten dies so gut es geht zu ermöglichen. Dennoch hinken deutsche Unternehmen sowohl mit der Bereitschaft, Arbeit im Homeoffice zuzulassen, vor allem jedoch mit der technischen Ausstattung hinterher. Hierzulande arbeitet nur etwa jeder achte Beschäftigte zumindest gelegentlich vom heimischen Schreibtisch aus, möglich wäre dies jedoch in vier von zehn Jobs.

Zwar sind Bereitschaft und Umsetzbarkeit von Branche zu Branche verschieden ausgeprägt, dennoch könnte die aktuelle Situation bewirken, dass in vielen Unternehmen das Thema Homeoffice nun mehr im Fokus steht. Bahnt sich möglicherweise ein Kulturwandel an? Denn was für die Generation X und Y noch selbstvertsändlich ist - vom Büro aus zu arbeiten - ist es für die Generation Y schon längst nicht mehr. Denn die Jahrgänge 1997 bis 2012, für die Smartphones und andere mobile Endgeräte als Arbeitsutensilien nicht wegzudenken sind, empfinden Arbeit, die auf Büroanwesenheit (und dort auf einem fixen, zugewesenen Arbeitsplatz) beruht, als überholt. Wer als Arbeitgeber also schon die nächste Generation der Mitarbeiter auf dem Schirm hat, sollte sich dieser Tatsache bewusst sein.

 

 

Technische Voraussetzungen

 

Mit der nötigen Technik ausgestattet und sich des Vertrauens der Vorgesetzten bewusst, empfinden viele die Arbeit am heimischen Schreibtisch durchaus als vorteilhaft, sie berichten von einem positiven Gefühl der Bestätigung und der Motivation, ausgelöst durch die flexiblen Arbeitszeiten und -bedingungen, was wiederum zu mehr Effizienz führt.

Eines muss jedoch klar sein: Wer seinen Mitarbeitern das Homeoffice ermöglichen möchte, muss gewährleisten, dass diese sicher und unterbrechungsfrei auf die IT-Systeme des Unternehmens zugreifen und miteinander kommunizieren können: Digitale Lösungen müssen Büroabläufe ersetzen können, etwa dadurch, dass Kollegen Prozesse und Projekte gemeinsam planen können, zum Beispiel mithilfe von Chat-Anwendungen, Desktop-Sharing und Kommunikation via Audio- und Videokonferenzen, durch cloud-basierte Datenverwaltung, durch unkomplizierte Dateifreigaben und vielem mehr. Firmen müssen die Zugänge und Zugriffsrechte bieten, sie müssen die Verfügbarkeit von Firmendaten und die Sicherheit der Geschäftsfähigkeit beachten und auch Kommunikation, Ablauf- und Organisationsstrukturen usw. müssen logistisch neu gedacht werden – und zwar sowohl auf Arbeitgeber- als auch auf Arbeitnehmerseite. 

 

 

Notwendige Kompetenzen

Das heißt oft, dass sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer neue Kompetenzen erwerben müssen – auch und gerade nicht-technische. IT-Grundlagen, digitales Knowhow, technisches Verständnis sind das eine; doch Kommunikation und Kooperation gerade im virtuellen Raum erfordern darüber hinaus auch emotionale und soziale Kompetenz: Wer den persönlichen Austausch mit Kollegen gewöhnt ist, nun aber plötzlich alleine zu Hause am Schreibtisch sitzt, muss sich gegebenenfalls in Selbst-Management und Kreativität üben und Strategien entwickeln, um Aufgaben auch ohne steten Austausch zu bewältigen. Fähigkeiten, die Digital Natives quasi von Natur aus mitbringen

  

 

Ideelle Dimension

Mindestens so bedeutend wie die technische Um- und Neuausrichtung ist jedoch ein ideelles Umdenken, das dem vorausgehen sollte. Denn vor dem technischen Verständnis für die notwendige Software-Aufrüstung muss vor allem Vertrauen stehen. Vorgesetzte müssen darauf vertrauen können, dass Angestellte und Mitarbeiter ihrer Arbeit von zu Hause aus genauso gewissenhaft und zuverlässig nachkommen wie im Büro, sie müssen sicher sein können, dass sensible Unternehmensdaten sensibel behandelt werden und geheim bleiben. Angestellte wiederum müssen darauf vertrauen können, dass ihr Unternehmen sie technisch in die Lage versetzt, ihre Aufgaben erfolgreich zu erfüllen. Und darauf, dass sie auch im heimischen Büro Feierabend haben und krank sein dürfen. 

Ob sich die deutsche Arbeitswelt dem mobilen, vernetzten Arbeiten anpassen will und kann, es sogar zu einem Digitalisierungsschub kommt, wird sich zeigen. Notwendig wäre es allemal, wenn Arbeitgeber für die Generation Z attraktiv bleiben wollen.

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